Die Arbeiterin
Sie pflegt die Brut, baut Waben, verarbeitet Nahrung und schützt das Nest. Später sammelt sie draußen Nektar, Pollen, Wasser und Pflanzenharze. Ihre Aufgaben ändern sich mit Alter und Bedarf des Volkes.
Bienenwissen aus Kassel
Auf den ersten Blick ist es ein Gewimmel. Wer genauer hinsieht, entdeckt Brutpflege, Vorratshaltung, Wabenbau und Verständigung. Komm mit zu den Bienen – vom Kasseler Garten bis ins Innere des Stocks.

Zusammenleben
Honigbienen leben in einer Gemeinschaft mit Arbeitsteilung. Königin, Arbeiterinnen und Drohnen übernehmen unterschiedliche Aufgaben.
Sie pflegt die Brut, baut Waben, verarbeitet Nahrung und schützt das Nest. Später sammelt sie draußen Nektar, Pollen, Wasser und Pflanzenharze. Ihre Aufgaben ändern sich mit Alter und Bedarf des Volkes.
Sie legt die Eier für neue Bienengenerationen. Ihre Duftstoffe wirken im Zusammenleben mit. Trotz ihres Namens ist sie keine Herrscherin, die jeder Biene Befehle gibt.
Der Drohn ist die männliche Honigbiene. Seine zentrale Aufgabe ist die Paarung mit einer jungen Königin. Anders als die Arbeiterin besitzt er keinen Stachel.
Grundlagen: LWG: Biologie der Bienen (PDF). Mehr Fakten stehen im Vergleich von Arbeiterin, Königin und Drohn.

Waben & Verständigung
Arbeiterinnen erzeugen Wachs in Drüsen an ihrem Hinterleib. Daraus formen sie die Zellen der Waben. In ihnen wächst die Brut heran; andere Zellen nehmen Pollen und Honig auf.
Auch draußen gefundene Nahrung bleibt kein Geheimnis. Eine erfolgreiche Sammlerin kann mit ihrem Schwänzeltanz Hinweise auf Richtung und Entfernung einer Quelle weitergeben. So finden weitere Bienen den Weg.
Das Zusammenspiel lässt sich am Flugloch erahnen. Der Blick auf die Wabe zeigt, wie viel gleichzeitig im Inneren geschieht.
Fachlicher Hintergrund: LWG zur Bienenbiologie (PDF) und Universität Würzburg zum Schwänzeltanz.
Vom Garten in die Wabe
Die Biene bringt keinen fertigen Honig von der Blüte zurück. Erst im Zusammenspiel vieler Bienen wird aus gesammeltem Nektar ein Vorrat.
Eine Sammlerin nimmt Nektar auf und transportiert ihn in ihrer Honigblase. Auch Honigtau kann die Grundlage für Honig sein.
Im Stock wird das Sammelgut an andere Bienen übergeben. Bieneneigene Enzyme verändern dabei seine Zusammensetzung.
Die Bienen verringern den Wassergehalt. Der entstehende Honig wird konzentrierter und in den Wabenzellen eingelagert.
Reifen Honig verschließen die Bienen mit Wachsdeckeln. Der Vorrat versorgt das Volk, wenn draußen Nahrung fehlt.
Fachquellen: LWG: Aus Nektar und Honigtau wird Honig (PDF) und LAVES: Honigbiene – Bestäubung – Pollen – Honig.
Mit den Jahreszeiten
Was am Bienenstand in Kassel zu beobachten ist, ändert sich im Laufe des Jahres. Wetter, Blütenangebot und Zustand des Volkes bestimmen den Rhythmus mit.
Mit den ersten milden Tagen nimmt die Aktivität am Flugloch zu. Die Königin legt mehr Eier, junge Arbeiterinnen schlüpfen und ersetzen nach und nach die Winterbienen. Das Brutnest wächst; damit steigt auch der Bedarf an Nahrung.
An Weiden, Obstbäumen und anderen Frühjahrsblühern sammeln die Bienen Nektar und Pollen. Besonders der Pollen wird für die Aufzucht der Brut gebraucht. Kälteeinbrüche können die Entwicklung vorübergehend bremsen.
Bei geeignetem Wetter herrscht reger Flugverkehr. Die Sammlerinnen bringen Nektar und Pollen in den Stock, während andere Arbeiterinnen die Brut versorgen und den eingetragenen Nektar zu Honig verarbeiten. Dabei entziehen sie ihm Wasser.
Im Frühsommer sind viele Völker besonders stark. Auch das Schwärmen gehört zur natürlichen Vermehrung: Ein Teil der Bienen zieht mit der alten Königin aus und gründet ein neues Volk.
Schon im Spätsommer beginnt der Übergang zur kalten Jahreszeit. Die Königin legt weniger Eier, das Brutnest wird kleiner und die Zahl der Bienen nimmt ab. Es entstehen langlebige Winterbienen, die das Volk durch die kalten Monate tragen.
An warmen Tagen sind noch Sammlerinnen unterwegs. Jetzt sind ausreichende Futtervorräte und gesunde Bienen besonders wichtig: Sie bilden die Grundlage für die Überwinterung und den Start ins nächste Frühjahr.
Von außen wirkt der Bienenstand oft still. Im Stock bleiben die Bienen jedoch aktiv: Bei Kälte rücken sie zu einer Wintertraube zusammen und erzeugen durch Muskelarbeit Wärme.
Die Energie dafür stammt aus den eingelagerten Futtervorräten. Einen Winterschlaf halten Honigbienen nicht. An milden, sonnigen Tagen können sie sogar zu kurzen Reinigungsflügen aufbrechen, bei denen sie ihren Kot außerhalb des Stocks absetzen.
Fachquellen: LWG: Bienenpflege im Jahresverlauf · LAVES: Honigbereitung · LAVES: Reinigungsflug (PDF). Die Phasen sind Orientierung, kein fester Kalender.
Kassel zum Blühen bringen
Ein Balkon, ein Garten oder ein kleiner unversiegelter Bereich kann Nahrung oder Nistmöglichkeiten bieten. Dabei lohnt es sich, nicht nur an Honigbienen zu denken.
Weitere Anregungen: LWG: Lebensräume für (Wild)Bienen (PDF).
Viele Wildbienen leben einzeln statt in großen Völkern. Eine Nisthilfe mit Röhren ist für bestimmte hohlraumnistende Wildbienen gedacht – nicht für ein Honigbienenvolk. Nahrung und passende Lebensräume bleiben ebenso wichtig wie der Nistplatz.
Einordnung: LAVES zu Wildbienen und ihren Nistplätzen.